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2. Zur Quellenlage

Bei der Rekonstruktion von Linses Leben ergaben sich zwei Schwierigkeiten; sie betreffen die Menge und die Qualität des Materials.

Erstens hat der Krieg dafür gesorgt, dass zahlreiche Unterlagen in den Bombenstürmen verbrannt und unwiederbringlich verloren sind. Die private Überlieferung aus Linses Besitz ist sehr spärlich. So erhielt seine Wohnung im Krieg einen Bombentreffer, weshalb er zum Umzug gezwungen war. Darüber hinaus hatte er keine Kinder, die man auf dem Weg der Oral history hätte befragen können. Also hat das MfS leichtes Spiel gehabt, um jede mögliche Spur, die zu Linse führen könnte, zu verwischen. Dadurch können nicht alle Phasen seines Lebens zufriedenstellend rekonstruiert werden, zumal sich weder Zeitzeugen ausfindig machen ließen noch weitere als die im Folgenden ausgebreiteten Dokumente. Also beginnt die Überlieferung im Grunde erst am 8. Juli 1952. Erst mit dem Zeitpunkt der Entführung wird die Materiallage so dicht, dass man sogar zahlreiche weitere Geschichten erzählen könnte, die dann aber doch nicht hierher gehören. Mit etwas Phantasie könnte man sicherlich so manche Lücke schließen, ohne Linse unrecht zu tun, aber so zu verfahren, würde dem Anspruch, eine wissenschaftliche Biographie vorzulegen, nicht gerecht werden.

Zum zweiten ist das überlieferte Material hochgradig kontaminiert. Muss man den Überlieferungen durch das MfS, auf die auch diese Arbeit selbstredend maßgeblich aufbaut, ohnehin gebührendes Misstrauen entgegenbringen, so gilt dies auch für die Behörde der Bundesbeauftragten (BStU), die diese Unterlagen verwaltet. Es ist ja allgemein bekannt, dass der Forscher lediglich Kopien der Akten zur Einsichtnahme erhält und diese Kopien auch noch vielfach geschwärzt sind (im Text mit [x] gekennzeichnet). Diese Praxis soll den Schutz der Privatsphäre der Betroffenen sicherstellen; sie behindert in ihrer gegenwärtig zu beobachtenden exzessiven Auslegung jedoch die Forschung, vor allem im Vergleich mit anderen Archiven, in denen nach Ablauf der 30-jährigen Sperrfrist die Akten ungeschwärzt und im Original vorgelegt werden. Hier liegt eine sachlich nicht gerechtfertigte Beeinträchtigung vor. Die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen hat im Sommer 2004 zudem entschieden, dass Abhörprotokolle nicht mehr herausgegeben werden, was dem juristischen Laien nicht einleuchten will, weil sich das Bundesverwaltungsgericht in seiner Entscheidung lediglich auf lebende Personen der Zeitgeschichte bezog. Warum die Privatsphäre eines Toten geschützt werden muss, ist nicht auf Anhieb verständlich. Außerdem stellt sich die Frage, warum dann nicht der gesamte Vorgang gesperrt wird, da doch eigentlich alle im Fall Linse gesammelten Dokumente illegal zustande gekommen sind.

Was im Fall Linse bei den westlichen Überlieferungen hinzukommt, ist der Umstand, dass Linse bei einer Organisation arbeitete, die zum Teil von der CIA finanziert wurde und die insgesamt in das Geheimdienstmilieu Berlins vor dem Mauerbau verstrickt war. Der Wunsch nach Geheimhaltung ist bis heute ungebrochen. So stößt man in einer Akte etwa auf den Vermerk, dass ein Schrift- stück entnommen worden sei mit dem Hinweis auf seine Geheimhaltungsbedürftigkeit. In der Sekundärliteratur werden interne Papiere des BND referiert und nicht an Interessierte herausgegeben. Und die Suchkartei der KgU, in der Linse nach seiner Verschleppung geführt wurde, ist offensichtlich nachträglich manipuliert worden: Die Karteikarten, auf die von Linses Namenskartei verwiesen wird, fehlen. Da die KgU-Akten erst in den neunziger Jahren auf Mikrofilm aus den USA zurück nach Deutschland gelangten, wohin sie vermutlich entweder vom BND oder von der CIA verbracht worden waren, kann man sich vor- stellen, wer hier seine Hand im Spiel hatte. Im Grunde spielen die westlichen Geheimdienste immer noch das Spiel, das die östlichen, zumindest phasenweise, aufgegeben haben, das MfS zwangsweise, der MGB – dann KGB, heute FSB – aus freien Stücken. Weiter

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