www.walter-linse.deLeseprobe › Referent bei der IHK 1

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III. Referent bei der Industrie- und Handelskammer Chemnitz

1. Arbeit für die Kriegswirtschaft

Nach Abschluss seines Studiums und Referendariats arbeitet Linse als Rechtsanwalt und ist auf diese Weise für die Nachwelt nahezu unsichtbar. Erst als er 1938 in die IHK Chemnitz, einer halbstaatlichen Einrichtung, eintritt und dort eine Tätigkeit als Referent aufnimmt, kann sein Weg weiterverfolgt werden, ja, eigentlich beginnt erst hier eine – trotz Bestandslücken – aussagekräftige Überlieferung. Denn auch in der IHK-Bürokratie gilt das Prinzip der Aktenkundigkeit aller Vorgänge. Dadurch kann Linses Tätigkeit zwar nicht vollständig rekonstruiert werden, aber der Bestand lässt instruktive Einblicke zu, auf deren Basis eine Einschätzung seiner Leistung möglich wird.

Für Linse scheint es nun bergauf zu gehen. Die Dissertation ist publiziert, und er unterschreibt nun mit »Dr. Linse«. 1938 gilt der akademische Grad etwas. Der Arbeitsalltag ist unspektakulär. Linses Aufgabe besteht darin, die in der IHK zusammengeschlossenen Unternehmen zu beaufsichtigen. In dem Archivbestand IHK des Staatsarchivs Chemnitz finden sich zahlreiche Vorgänge mit Linses Paraphe oder mit seiner Unterschrift, die die Eintragung von Firmen in das Handelsregister betreffen oder sich mit der Frage beschäftigen, ob diese oder jene Firmenbezeichnung irreführend ist; des Weiteren viele Schreiben der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammer in der Reichswirtschaftskammer zu ähnlichen Fragen.

Prägend für Linses Arbeit ist der ein Jahr später einsetzende Krieg, der durch die Vorbereitungen bereits jetzt die Wirtschaft beeinflusst, später aber zu einem alle Lebensbereiche dominierenden Faktor wird. In diesem Zusammenhang der »staatliche[n] Kommandowirtschaft mit privater Mitbestimmung« zählt es zu Linses Aufgabe, Vorträge an Fachschulen und anderen Bildungseinrichtungen zu halten, in denen er die Notwendigkeiten einer auf den Krieg ausgerichteten Wirtschaft erläutert. Beispielsweise ist ein Manuskript zu einem Vortrag »Warum gelenkte Wirtschaft?« nebst Vorarbeiten erhalten, das auf November 1944 datiert ist. Darin wirbt Linse um Gefolgschaft für die Kriegsökonomie: »Es ist daher gut, wenn wir durch eine große Gesamtschau in die Probleme der nationalsozialistischen Wirtschaft unseren im alltäglichen Kleinkrieg bisweilen erschütterten Glauben wieder aufrichten und erneut erkennen und fühlen, wie groß und unabweisbar die Notwendigkeit einer gelenkten Wirtschaft ist und sein muss.« Und er kommt zu dem Schluss: »Wenn jeder stets dieses Bewusstsein in sich trägt, dann wächst aus den Millionen Schaffenden die ungeheure Kraft, die Höchstes vollbringt, sich allen Gewalten zum Trotz durchsetzt und uns in diesem großen Kampf das höchste verheißt: den Endsieg!«

Linse hält weitere Vorträge ähnlichen Inhalts; beispielsweise geht im März 1943 ein Schreiben der Unterabteilungsleiterin in der Deutschen Arbeitsfront, Gauverwaltung Sachsen, ein, in dem er gebeten wird, einen Vortrag zum Thema »Wirtschaftsführung im Kriege« zu halten. Und wenn man den Reaktionen der Veranstalter derartiger Vortragsreihen, zu deren Gelingen Linse mit seinem Auftritten beiträgt, Glauben schenken darf, diese also Linse nicht nur einen artigen Dank aussprechen, dann ist er ein guter Redner, der die Erwartungen des Publikums erfüllt. So gratulierte etwa der Leiter der Sozialen Fachschule, Kreis Chemnitz, am 3. Dezember 1941: »Durch Beurteilungen aus dem Hörerkreis konnte ich ersehen, dass Ihre Vorträge unbedingt als Erfolg zu buchen waren.« Womit sich bereits an dieser Stelle andeutet, dass Linse mit seinen Auftritten öffentliche Resonanz hervorzurufen in der Lage ist und nicht nur als Redenschreiber für seinen Vorgesetzten, den Handelskammerpräsidenten, und zum Bürokraten taugt.

Während er mit seinen Vorträgen an die Öffentlichkeit tritt und sein im weitesten Sinne politisches Talent erprobt und verbessert, kommt Linse auch seinen Aufsichtspflichten nach. Im Auftrag seines Hauses nimmt er an Betriebsprüfungen und so genannten Auskämmaktionen teil, informiert die Mitgliedsunternehmen über die »Neuregelung des Verfahrens der Arbeitskräfteanforderungen und Bedarfsermittlungen« und so fort. Er sorgt für Nachschub für den Krieg und für eine möglichst effiziente Verwaltung des Mangels an Arbeitskräften und Material und erfüllt gleichsam die Funktion eines Scharniers zwischen der Wehrmacht und ihren Bedürfnissen und den Unternehmen, die diese zu erfüllen haben. Bei Betriebsbesichtigungen ermittelt er materielle und personelle Kapazitäten und leitet die Umsetzung der von ihm für sinnvoll erachteten Maßnahmen in die Wege, was für den betroffenen Betrieb und seine Mitarbeiter allerdings gravierende Folgen haben kann. In einer Notiz vom 5. September 1944 über eine Betriebsprüfung, an der auch Linse teilgenommen hat, heißt es beispielsweise: »Der Eindruck ist der, dass dieser Betrieb ohne jede nachteiligen Folgen für die Rüstung oder die Chemnitzer Textilindustrie geschlossen, zumindest aber anders belegt werden kann, und die freiwerdenden Arbeitskräfte können der direkten Rüstungswirtschaft mit günstigerem Arbeitseinsatz zugeführt werden.« Weiter

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